Zukunftsperspektiven des Religionsunterrichts in Österreich –
Bericht von der Vollversammlung der IBGRLÖ

Vom 5.11. bis 6.11. trafen sich die Vertreter/innen der IBGRLÖ (Interdiözesane Berufsgemeinschaft der Religionslehrerinnen und -lehrer Österreichs) in Innsbruck. Hinter dem etwas sperrig anmutenden Begriff, verbirgt sich die Vernetzung der Interessensvertretungen der Religionslehrerinnen und -lehrer auf interdiözesaner Ebene. Jede Berufsgemeimschaft entsendet zwei Delegierte in die IBGRLÖ.

Unser Treffen stand diesmal unter dem Motto: „Visionen eines zukunftsorientierten Religionsunterrichts“. Neben kurzen Einblicken in die Arbeit der jeweiligen diözesanen Berufsgemeinschafen, standen uns sehr spannende Referenten zur Verfügung. An dieser Stelle sollen zwei Vortragende und deren Themen, die anschließend zu längeren Diskussionen führten, vorgestellt werden: Einerseits Mag. Maria Plankensteiner-Spiegl, ihres Zeichens Schulamtsleiterin der Diözese Innsbruck und Vertreterin des IDA (Interdiözesanes Amt für Unterricht und Erziehung – www.religionsunterricht.at) und andererseits Mag. Alexander van Dellen, der uns einen Einblick in seine Auseinandersetzungen mit religiöser Bildung an öffentlichen Schulen in Europa, am Beispiel Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, gewährte.

Nach einem allgemeinen Überblick über die Situation des Religionsunterrichts in der Diözese Innsbruck, erörterte Mag. Plankensteiner-Spiegl einerseits ihre Visionen einer Weiterentwicklung des Religionsunterrichts und berichtete anderseits aus den Arbeitsprozessen des IDA. Ihrer Ansicht nach ist der Religionsunterricht nicht aus der Verantwortung der Schulämter zu geben, da der konfessionelle Religionsunterricht einen existentiellen und fundamentalen Bestandteil für den Schulalltag und das Gelingen einer Schulkultur leistet. Die u.a. dadurch präsente und gelebte Religiosität und Performativität eines konfessionellen Religionsunterrichts gilt es, in Abgrenzung zu einer Alternative, welche ein Religionskunde- bzw. Religionen- oder Ethikunterricht nicht zu leisten vermag, zu bewahren. In diesem Sinne dürfen wir ihren von Herzen ausgesprochenen Dank und ihre Wertschätzung unserer Arbeit an alle Kolleginnen und Kollegen weitergeben!

Auf Ebene des IDA werden Möglichkeiten einer religiösen Bildung für alle diskutiert, aber immer im Fokus und die Gefahr einmahnend, dass bei einer Öffnung des konfessionellen Religionsunterrichts, die Schulämter selbst sich ihrer Legitimität entheben und somit, wenn auch nicht sofort, dann in absehbarer Zeit, selbst abschaffen, da religiöse Bildung somit zur Gänze in staatliche Hand fallen würde.

Mag. Alexander van Dellen verortet Religionsunterricht als ein europäisches Phänomen. Religionsunterricht wird außer in Frankreich (Elsass und Lothringen ausgenommen), Mazedonien, Albanien und Slowenien in der gesamten europäischen Union in verschiedenen Varianten angeboten.

Um etwas über unseren Tellerrand zu blicken, gab Mag. Alexander van Dellen einen Überblick über den „Konfessionell-Kooperativen Religionsunterricht (KoKoRu)“ und den „Dialogisch-Konfessionellen Religionsunterricht (dk:ru)“ in Österreich. Diesen beiden österreichischen Modellen wurden „der Religionsunterricht für alle in evangelischer Verantwortung“ (Hamburg), „Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde“ (LER, Brandenburger Modell) und Religionsunterricht vor und im „Lehrplan 21“ in der Schweiz gegenüber gestellt. Einen Überblick dieser Modelle inklusive didaktischem Profil, Kontexte und Hintergrundinformationen, bzw. Erfahrungsberichten und Schwierigkeiten sind im Handout von Mag. Alexander van Dellen, welches er uns freundlicherweise zur Verfügung stellte hier abrufbar.

In seiner Conclusio wies Mag. Alexander van Dellen darauf hin, dass keines dieser oder anderer Modelle unreflektiert in unseren Kontext übernommen werden kann und soll. Sie sollen Denkanstöße sein, wie Religionsunterricht auf andere Art und Weise gedacht und gelingen könnte, auch wenn dies bedeuten würde, Altbewährtes zu modifizieren oder sogar über Bord zu werfen, um religiöse Bildung weiterhin qualitativ und auch quantitativ möglichst allen Schülerinnen und Schülern anbieten zu können! Es erfordert Mut, Weitsicht und Kreativität, aber auch Gelassenheit, Geduld und Durchhaltevermögen um zukunftsfähige Modelle eines Religionsunterrichts zu entwickeln.

MMag. Johannes Bitzinger